Formen/Stadien
Bei der Beschreibung des Lungenkarzinoms geht es einmal um die Bestimmung der
Tumorart bzw. der Frage wie gut der Tumor differenziert ist. Bei diesem so genannten Grading werden die Zellen in G1 bis G4 eingeteilt:
G1-Tumorzellen ähneln dabei den normalen ausgereiften Zellen, G3- und G4-Zellen ähneln ihnen dagegen wenig, sie sind wenig differenziert
und wachsen schnell und aggressiv.
Zum zweiten geht es darum, den Lungenkrebs danach zu klassifizieren wieweit sich die Krebszellen bereits auf andere Teile des Körpers ausgebreitet
haben; dabei werden heute in der Regel fünf unterschiedliche Stadien der Erkrankung differenziert. Auch für diese Stadieneinteilung ist heute ein
englischer Begriff, das Staging, gebräuchlich.
Beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom sind die Stadien wie folgt definiert
Verborgenes Stadium (Tx)
Hier kann man im Speichel (Sputum) Krebszellen nachweisen, findet aber weder durch das Röntgen noch durch eine bronchoskopische Untersuchung einen
Tumor in der Lunge.
Stadium 0
Der Krebs wird hier nur in einem streng umgrenzten Areal der Lunge und nur in wenigen Zellschichten gefunden. Die Krebszellen sind noch nicht durch
die so genannte Basalmembran durchgebrochen. (Für dieses Stadium wird häufig auch der lateinische Begriff Carcinoma in situ verwendet).
Stadium I
Der Tumor hat zwar größere Areale der Lunge befallen, ist allerdings auf die Lunge beschränkt und nach wie vor von normalem Gewebe umgeben.
Stadium II
Der Krebs hat neben dem Lungengewebe auch auf Lymphknoten in der Nähe des Krebsherdes übergegriffen.
Stadium III
Der Krebs hat auch die Brustwand oder das Zwerchfell in Lungennähe erreicht oder auf Lymphknoten im Mediastinum, dem Bereich zwischen den beiden
Lungenflügeln übergegriffen oder die Lymphknoten auf der anderen Seite der Brust bzw. im Halsbereich erfasst.
Entsprechend der operativen Behandlungsmöglichkeiten wird das Stadium III in die Stadien III-a und III-b unterteilt.
Im ersten Fall ist normalerweise eine operative Behandlung möglich, im zweiten Fall ist sie nicht sinnvoll.
Stadium IV
Die Krebszellen haben bereits andere Körperregionen erreicht.
Ein weiterer Begriff, der u. a. im Rahmen der Stadieneinteilung genutzt wird, ist das Rezidiv. Damit wird das Wiederauftreten des Karzinoms nach
voran gegangener Therapie bezeichnet.
Im wissenschaftlichen Sprachgebrauch ist heute zum kompletten Staging eine Klassifikation nach dem TNM-System üblich. Dabei beziehen sich die Kürzel
auf die zentralen Punkte, die das Krebsgeschehen charakterisieren: Tumor, Lymphknoten und Metastasierung.
T
Die Kürzel Tx bis T4 beschreiben dabei den Tumor in Größe und Ausdehnung
N
beschreibt den Befall der Lymphknoten mit Zahl und Lokalisation. Dabei bedeutet
N0: Kein Befall der regionalen Lymphknoten.
N1: Lymphknoten im Bereich der Lunge (gleicher Lappen) sind infiltriert.
N2: Gleichseitige Lymphknoten im Bereich des Mediastinums sind befallen.
N3: Gegenseitige Lymphknoten im Bereich des Mediastinums, der Lungenwurzel und über dem Schlüsselbein sind erfasst.
M
beschreibt das Vorliegen bzw. Fehlen von Metastasen
M0: Keine Fernmetastasen vorhanden.
M1: Metastasen z.B. in der Leber, im Knochen oder im Gehirn.
Bei der Beschreibung des Stadiums III ist bereits der Hauptgrund für das Staging
genannt worden: Die Kenntnis des Stadiums der Erkrankung ist der Ausgangspunkt
für die Wahl der Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms – mit Hilfe
einer Operation, einer Bestrahlung, mit Medikamenten (Chemotherapie) oder einer
Kombination der zur Verfügung stehenden Optionen.
Darüber hinaus ist das Staging ein wichtiges Hilfsmittel bei der Erforschung
der Wirksamkeit neuer Medikamente in wissenschaftlichen Studien. Nur unter
Beachtung der Stadien lassen sich Studienergebnisse zuverlässig interpretieren,
verschiedene Studien vergleichen und so klare Aussagen über den therapeutischen
Erfolg treffen.
MK August 2010
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